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  • Juni 10, 2026
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SoulRoot · Daniela Holzschuh

Warum du funktionierst, aber nicht lebst — und wie du den Unterschied spürst

Frau sitzt allein auf dem Boden, erschöpft, warmes Licht

Vielleicht kennst du diesen Moment, kurz bevor du einschläfst. Wenn der Tag endlich still wird und sich, bevor der Schlaf kommt, dieses leise Gefühl zeigt: War ich heute eigentlich da?

Damit ist nicht dir Frage nach deiner körperlichen Anwesenheit gemeint.
Oder die Frage, ob du am Tag auch genug erledigt hast.

Ich meine damit die tiefere, etwas unbehaglich-ehrliche Frage: War ich heute wirklich ich?

Vielleicht kennst du auch das Gedankenkarussell, dass auch gerne kurz vorm Einschlafen noch zusätzlich Fahrt und Geschwindigkeit aufnimmt! Wie der BreakDancer früher auf der Kirmes.
Du bist müde – so unendlich müde – aber irgendetwas in dir will nicht zur Ruhe kommen. Du wälzt den vergangenen Tag im Kopf. Fragst dich, ob du mehr hättest du können – oder ob du Dinge anders hättest machen sollen.  Oder du planst in Gedanken schon mal den nächsten Tag und stöhnst innerlich auf, wenn du feststellst, dass wieder keine Minute Zeit für dich selbst bleibt. 

Viele Frauen, mit denen ich arbeite, kennen diese Frage. Sie beschreiben einen Alltag, der nach außen funktioniert — manchmal sogar beeindruckend gut. Termine, Verantwortung, Verlässlichkeit, Stärke. Und gleichzeitig dieses leise Wissen: Ich bewohne mein Leben gerade mehr als ich es lebe.

Ich nenne das den Funktionsmodus. Und heute möchte ich dir erklären, was das wirklich bedeutet — nicht als Diagnose, sondern als Einladung zur Selbstwahrnehmung.

Inhalt

  1. 01 Was Funktionsmodus ist (und was er nicht ist)
  2. 02 Was ich damals nicht benennen konnte
  3. 03 Was mein Körper wusste — und ich nicht hören wollte
  4. 04 Ein Abend auf dem Boden
  5. 05 Der Weg — und das, was ich trotzdem lange nicht verstanden habe
  6. 06 Was sich verändert hat — und was heute gilt
  7. 07 Vielleicht kennst du das
Was der Funktionsmodus ist (und was er nicht ist)
Gepflegtes Haus mit Garten, Abendsonne, keine Menschen
Der Funktionsmodus bedeutet nicht, dass du krank bist. Oder das du in einer Krise steckst. Und er bedeutet auch nicht, dass du in irgendeiner Form versagst oder falsch bist. Im Funktionsmodus zu sein bedeutet, dass dein Nervensystem irgendwann gelernt hat: Fühlen ist gerade nicht sicher. Oder praktisch. Oder erwünscht. Also bleib im Kopf. Bleib in der Kontrolle. Bleib im Tun.
 
Ich konnte es damals nicht benennen.

Ich war überlastet — aber das habe ich so nicht sehen wollen.
Ich war unzufrieden — und auch das habe ich lange weggedrückt.
Ich war unglücklich – aber das wollte ich nicht wahrhaben.
Ich war innerlich angespannt — und nach außen war das kaum zu sehen.
Ich war gereizt, überfordert und fühlte mich nicht frei.
Ich hatte das Gefühl, in jedem Augenblick in meinem Leben fremdbestimmt zu sein.
Ich hatte den Zugang zu mir selbst verloren in dem Bestreben, im Außen immer so zu sein, wie andere mich vermeintlich haben wollten.

Heute weiß ich, dass ich damit nie alleine war. Das ich das mit sehr vielen Frauen teile.
Wir lernen früh, wie man stark aussieht. Wie man nicht jammert. Wie man weitermacht. Wir werden darin so gut, dass wir irgendwann selbst nicht mehr wissen, wie es uns eigentlich geht. Nicht weil wir lügen. Sondern weil wir uns so lange selbst nicht zugehört haben, dass wir die eigene Sprache verlernt haben.

Was mein Körper wusste — und ich nicht hören wollte

Mein Körper hat jahre vorher bereits begonnen mit mir zu sprechen. Er hat mir sehr genau gezeigt, dass irgendwas nicht in Orndung ist.  Chronische Rückenschmerzen. Reizdarm. Viele Allergien und Unverträglichkeiten. Arthrose vierten Grades in den Knien. Lipödem. Ich war mitte dreißig und fühlte mich wie eine Neunzigjährige. 

Ich habe mich damals immer nur gefragt, wie ich die Symptome schnell wieder loswerde, aber nie, was diese mir evtl. Sachen wollten. 

Und das ist ein Unterschied, der alles verändert hat.

Auch wenn du vielleicht das Gefühl hast, dass dein Körper irgendwie zu einem Feind geworden ist, den man bekämpfen muss und besiegen muss, ist genau das Gegenteil der Fall.
Wir dürfen lernen, hinzuhören, hinzuspüren um zu heilen.
Selbstheilung beginnt in dir, nicht mit der nächsten Pille. 

Dein Körper bekämpft dich nicht. Er spricht. Er spricht eine Sprache, die die wenigsten von uns gelernt haben zu lesen. Und solange wir nur die Symptome bekämpfen, anstatt wirklich zuzuhören, bleibt er laut.

Ich habe in dieser Zeit die Gründe für mein Unwohlsein ausschließlich im Außen gesucht. In meiner Beziehung. In den Umständen, die mich in ein Leben geführt haben, in dem ich mich irgendwie verloren habe. In den Rollen, die ich zu diesem Zeitpunkt inne hatte, in denen ich mich nicht zuhause fühlte – mit denen ich mich nicht identifizieren konnte.
Ich habe damals nicht sehen können, dass ich mich in einer tiefen Depression befand. Und ich hatte auch lange keinen Namen dafür. Ich spürte nur das Gewicht auf meinen Schultern. Den Nebel. Das Grau.

Und dann kam ein Gedanke, den ich lange nicht laut ausgesprochen habe: Wenn ich nicht mehr bin, wird es für alle anderen leichter.

Und dieser Gedanke kam immer häufiger. In meinem grauen Nebel hatte er irgendwie seinen Reiz. Morgens einfach nicht mehr aufwachen, nicht mehr leiden, nicht mehr gegen mich leben.
Und ich teile das hier mit dir, weil ich weiß, dass ich nicht die einzige bin. Es gibt so viele Frauen da draußen, die nach außen hin alles im Griff haben und innerlich längst nicht mehr da sind.
Vielleicht gehörst du auch dazu? Wenn du das kennst , brauchst du dich dafür nicht zu schämen. Und du musst das nicht allein tragen. Vertrau dich jemandem an, such dir Hilfe im Außen. Das ist wirkliche Stärke. 

Ein Abend auf dem Boden

Dunkles Zimmer, warme Lichtquelle, Holzboden

Ich habe mich in dieser Phase damals von meinem Mann getrennt, denn aus meiner Sicht, war Schuld daran, dass es mir so schlecht ging. In der Zeit danach war ich auf der einen Seite wie betäubt und kurzfristig fühlte ich mich freier. Und doch änderte sich natürlich ingsgesamt nichts. 

Und dann kam dieser eine Abend. Es war mein Geburtstag.
Ich weiß nicht einmal mehr, wie alt ich in diesem Jahr geworden bin. Ich erinnere mich nur noch daran, dass ich irgendwann mitten in der Nacht auf den Fliesen im Esszimmer vor der Terrassentür gelegen habe und heulend zusammen gebrochen bin. Es hat mich geschüttelt. Ich konnte nicht aufhören. Alles war so hoffnungslos. Grau. Trübe. Schwer.

Und in genau diesem Moment — auf dem Boden, ohne jede Kontrolle — habe ich zum ersten Mal etwas gespürt, das irgendwie gan klar war: So wie es gerade ist, kann es nicht weitergehen. Und das hat mir nicht der Verstand gesagt, sondern irgendetwas in mir, dass viel tiefer geht. 

Und mein Mann – damals kurzfristig Ex – setzte sich zu mir auf den Boden, nahm mich in den Arm und machte mir das größte Geschenk, zu dem ein Mensch fähig sein kann.
Seine bedingungslose Liebe. Er sagte: 

„Du bist krank, Dany. Deshalb gehe ich jetzt nicht. Aber wenn du gesund wirst — und dann immer noch willst, dass ich gehe — dann packe ich meine Koffer.“

Ich Spoiler hier mal kurz: Er ist immer noch da. Seit fast 23 Jahren an meiner Seite. 

Der Weg — und das, was ich trotzdem lange nicht verstanden habe

Danach habe ich mir Hilfe gesucht und angefangen hinzuschauen. Nicht in jede Ecke auf einmal. Das wäre zu schmerzhaft gewesen, aber ich habe begonnen meinen Shitkeller aufzuräumen. Ich habe damit begonnen, mein Leben zu ändern und mich mit mir und meinen Dämonen auseinanderzusetzen.  In der Zeit danach wurde vieles tatsächlich besser. Die Überforderung wurde weniger. Ich wurde ruhiger, geerdeter.  Ich habe die Schönheit dieser Welt und meines Lebens wieder sehen können. Ich habe den Lebensmut wiedergefunden — und mit ihm einen neuen Sinn in meinem Leben. Und mit ihm meinen Weg und das, was aus all dem geworden war.

Meine größte Krise wurde mein stärkster Motor.

Die Depression habe ich überwunden und sie kam zum Glück nie wieder. Dennoch zeigte mir mein Körper immer noch, dass etwas nicht stimmte. Trotz aller Veränderungen. Denn ich habe etwas anderes wichtiges noch ganz lange nicht verstanden. Denn trotz all dieser Veränderungen war ich innerlich immer noch im Kampf. Ich habe gegen Gefühle gearbeitet, die ich nicht haben wollte. Anteile in mir weggedrückt, die mir unangenehm waren. Ich habe versucht, mich in den Griff zu bekommen, statt mich wirklich zu verstehen. Ich habe vor allem gegen meinen Körper gekämpft, den ich nicht so akzeptieren konnte und wollte wie er nunmal war. 

Heute sehe ich sehr klar: Ich habe lange immer noch gegen mich gekämpft. Nur auf eine andere, subtilere Art. Und mein Körper hat mir das gespiegelt. Noch mehr als die Jahre zuvor.

Ich hatte irgendwann chronische Schmerzen im ganzen Körper, rund um die Uhr, die Knie wurden so schlimm, dass ich mit Anfang vierzig bereits Prothesen brauchte und dann kam die Diagnose Endometriose noch oben drauf.
Nach meiner Endometriose-OP wurde mir dann endlich etwas klar. Es geht nicht darum, das Außen zu verändern, sein Mindset zu optimieren, positiv zu denken, etc. Es geht überhaupt nicht darum, ständig an sich zu arbeiten, sich zu optimieren. 
Sondern darum, wieder bei mir anzukommen. Auf mich zu hören, meiner Körperweisheit zu lauschen und Schritt für Schritt die Richtung zu verändern. 
Sich selbst zu spüren und ernst zu nehmen, seine Bedürfnisse zu kennen und seine Werte wirklich aus tiefstem Herzen zu leben.
Seitdem höre ich auf mich und das, was mein Körper mir sagt bin ich angekommen. In mir.
Es ist nicht perfekt und der Weg ist noch lang. Aber ich ich habe mich wirklich wieder gefunden. 

Frau allein in der Natur, ruhig in Bewegung, goldenes Licht

Was sich verändert hat — und was heute gilt

Diese Nacht nach der OP war für mich der nächste wirklich wichtige Wendepunkt in meinem Leben. Ab diesem Zeitpunkt hat sich so viel verändert.  Mein Körper wurde ruhiger. Die Symptome besserten sich. Ich habe schmerzfreie Tage, manchmal Wochen. Alles ist in Heilung — und das spüre ich sehr deutlich. Wir können heilen – vollständig – körperlich und geistig. Wenn wir uns auf den Weg einlassen ist alles möglich. 

Heute gilt für mich: Wenn ich mich selbst übergehe, nicht auf meinen Körper höre, dann zeigt er mir sehr schnell, wo der Hammer hängt. Er ist mein ehrlichster Spiegel.

Und kenne ich meine Bedürfnisse. Ich vertraue meinem Körper — und lerne immer noch dazu. Ich kann zu mir und meiner Meinung stehen. Ich kann tagelang alles liegenlassen, wenn ich das brauche. Ich priorisiere mich — und dann erst alle anderen. Das war mir früher undenkbar.

Vielleicht kennst du das

Erkennst du dich in Teilen dieser Geschichte wieder? Vielleicht nicht in der Dramatik. Aber in dem Gefühl?

In diesem stillen, manchmal kaum greifbaren Gefühl: Du funktionierst. Du lieferst. Du bist stark. Aber da drinnen — irgendetwas stimmt nicht. Etwas fehlt. Oder etwas wartet.

Das ist kein Versagen und kein Zeichen, dass etwas mit dir falsch ist. Das ist eine Einladung.

Nimm sie an und sieh, was dir das Leben bereit hält. 

✦ Daniela

Lebst du gerade wirklich —
oder funktionierst du nur?

Wenn du wissen möchtest, ob dein Körper dir gerade etwas sagt, das du vielleicht noch nicht gehört hast — dann habe ich etwas für dich.

→ Kostenloser Selbsttest: 7 Körpersignale, die zeigen, ob du im Funktionsmodus lebst
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