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Du funktionierst – aber dein Körper ist müde

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  • Januar 27, 2026

Du funktionierst – aber dein Körper ist müde

Warum Dauer-Funktionieren kein Zeichen von Stärke ist, sondern ein leises Signal deines Nervensystems

Ein ehrlicher Text für Frauen, die viel tragen – und sich selbst dabei aus dem Blick verloren haben

Die Inhalte dieses Blogartikels

Ein stilles Ankommen

Ich bin mir sicher, du bist nicht „rein zufällig“ über diesen Text gestolpert.
Vielleicht ist da schon länger dieses leise Gefühl in dir, dass etwas nicht mehr ganz stimmig ist.

Du gehst deinem Alltag nach, erledigst, organisierst, kümmerst dich. Nach außen wirkt vieles stabil. Und trotzdem gibt es diese innere Müdigkeit, die nicht einfach verschwindet – selbst dann nicht, wenn du dir Pausen nimmst oder früher schlafen gehst.

Es ist keine klassische Erschöpfung.
Eher ein inneres Ermatten.
Ein Zustand, in dem alles weiterläuft, du selbst aber kaum noch wirklich bei dir ankommst.

Vielleicht ist dieser Text ein Moment zum Innehalten.
Nicht, um etwas zu lösen.
Sondern um kurz da zu sein.

Wenn du morgens aufwachst und innerlich schon müde bist

Stell dir vor, dein Wecker klingelt.
Du wachst auf, und noch bevor der Tag begonnen hat, ist da schon Spannung.
Dein Kopf beginnt gleich zu rattern, und ganz tief in dir ist bereits ein Gefühl von innerem Druck.

Du stehst auf. Du machst weiter. Du funktionierst.
Weil es so gelernt ist.
Weil andere dich brauchen.
Oder weil Stillstand sich nicht sicher anfühlt.

Nach außen wirkst du verlässlich, organisiert, stark. Eine Frau, auf die man zählen kann. Und gleichzeitig gibt es diese leise Stimme in dir, die sich immer wieder meldet – manchmal kaum hörbar, manchmal sehr deutlich:

So kann es nicht ewig weitergehen.

Vielleicht meldet sich dein Körper schon länger.
Nicht laut.
Aber beharrlich.

Mit Verspannungen.
Mit innerer Unruhe.
Mit schlechtem Schlaf.
Mit einer Erschöpfung, die sich selbst nach Pausen nicht wirklich auflöst.
Oder sogar mit „handfesten“ körperlichen Symptomen, wie z.B. Migräne, Rückenschmerzen, Darmproblemen, immer wieder kehrenden Infekten. 

Und trotzdem gehst du weiter.
Ausruhen kommt für dich gar nicht in Frage.
Du hast das Gefühl, immer leisten zu müssen. 

 

Funktionieren ist nichts, was du dir bewusst ausgesucht hast

Viele Frauen glauben, sie müssten nur „weniger machen“ oder „sich besser abgrenzen“, dann würde es leichter werden.
Doch Funktionieren ist selten eine bewusste Entscheidung. Es ist etwas, das sich über Jahre entwickelt hat.

In unserer Gesellschaft wird Durchhalten belohnt.
Wer sich zusammenreißt, gilt als stark.
Wer keine Schwäche zeigt, als belastbar.
Viele Frauen haben sehr früh gelernt, dass sie gesehen werden, wenn sie leisten, wenn sie sich anpassen.
Wenn sie immer für andere da sind.

Das ist nichts, wofür du dich schämen musst.
Im Gegenteil: Es war oft eine sehr kluge Anpassung.

Vielleicht war es wichtig, ruhig zu bleiben.
Vielleicht war es notwendig, Verantwortung zu übernehmen.
Vielleicht war Funktionieren ein Weg, Bindung zu sichern oder Konflikte zu vermeiden.

Problematisch wird es erst dann, wenn dieser Modus nicht mehr abschaltet.

Der Funktionsmodus ist ein Zustand deines Nervensystems

Dauer-Funktionieren ist kein Charakterzug. Es ist ein Zustand deines Nervensystems.

Wenn ein System über längere Zeit unter Druck steht – emotional, mental oder körperlich – ohne ausreichend Sicherheit oder Entlastung zu erleben, stellt es sich auf Überleben ein.
Dann geht es nicht mehr darum, wie sich etwas anfühlt, sondern nur noch darum, wie man weitermacht.

In diesem Zustand treten andere Dinge in den Hintergrund: Genuss, Leichtigkeit, echte Regeneration. Stattdessen übernimmt ein innerer Autopilot, der fragt:

Wie komme ich da durch?

Viele Frauen merken gar nicht, wie lange sie schon in diesem Modus leben, weil er sich irgendwann normal anfühlt. Erst wenn der Körper beginnt, Signale zu senden, wird etwas davon spürbar.

Vielleicht erkennst du dich hier wieder. Dann wisse: Du bist nicht allein! Das geht sehr vielen Frauen so.

Wenn Durchhalten zur inneren Normalität wird

Viele Frauen merken erst sehr spät, wie lange sie eigentlich schon im Funktionsmodus leben.
Meistens erst dann, wenn die Signale des Körpers immer stärker werden und immer weniger zu ignorieren sind.

Nicht, weil sie sich selbst täuschen, sondern weil dieser Zustand irgendwann zur inneren Normalität wird.
Wenn Durchhalten über Jahre hinweg notwendig war, fühlt es sich nicht mehr wie eine Ausnahme an, sondern wie ein Wesenszug.

Dann wird es schwierig zu unterscheiden, was wirklich zu dir gehört – und was eine erlernte Reaktion deines Nervensystems ist.

  • Müdigkeit wird wegerklärt.
  • Innere Unruhe wird als Teil des Alltags akzeptiert.
  • Bedürfnisse werden verschoben, weil „jetzt gerade kein Platz dafür ist“.

Und genau dadurch bleibt das System in einer Dauerschleife von Aktivierung.

Viele Frauen beschreiben rückblickend, dass sie gar keinen klaren Moment benennen können, an dem es „zu viel“ wurde. Es war kein einzelnes Ereignis, sondern ein schleichender Prozess. Ein ständiges inneres Sich-Zusammennehmen. Ein dauerhaftes Über-die-eigenen-Grenzen-Gehen, ohne es bewusst zu bemerken.

Das Nervensystem unterscheidet dabei nicht zwischen großen und kleinen Belastungen. Es registriert nur, ob Entlastung und Sicherheit folgen – oder eben nicht.

Bleiben diese aus, bleibt auch der Körper innerlich in Bereitschaft.

  • Immer wachsam.
  • Immer angespannt.
  • Immer ein bisschen über der eigenen Kraft.

Wenn der Körper beginnt, leise zu sprechen

Oft versuchen diese Frauen, sich an diesem Punkt einzureden: 
„Eigentlich habe ich doch keinen richtigen Grund, mich so zu fühlen. Mir geht es doch gut.“

Und genau das macht es so verwirrend.

Denn im Außen funktioniert vieles. Alltag, Familie, Arbeit. Vielleicht sogar Anerkennung. Doch der Körper orientiert sich nicht an äußeren Strukturen. Er reagiert auf innere Zustände.

Wenn Anspannung über lange Zeit nicht abfließen darf, wenn Gefühle keinen Raum bekommen und Bedürfnisse immer wieder zurückgestellt werden, speichert das Nervensystem diese Dauerbelastung. Irgendwann wird sie spürbar – körperlich, emotional oder beides.

Nicht als Strafe.
Nicht als Fehler.
Sondern als Sprache.

Symptome sind kein Zeichen dafür, dass etwas kaputt ist. Sie sind ein Hinweis darauf, dass dein System zu lange alleine war.

Warum viele Symptome erst dann auftauchen, wenn du nicht mehr musst

Ein Phänomen, das oft irritiert, ist der Zeitpunkt, an dem Symptome spürbar werden.
Nicht selten melden sich Körperbeschwerden genau dann, wenn äußere Anforderungen nachlassen.
Nach einer stressigen Phase.
Nach einer Entscheidung.
Oder in einem Moment, in dem eigentlich Erleichterung erwartet wurde, wie z.B. der langersehnte Urlaub, das Wochenende, die Party, auf die man sich lange gefreut hat. 

Das liegt nicht daran, dass dein Körper „falsch reagiert“. Im Gegenteil: Oft ist es das erste Mal, dass dein System überhaupt Raum bekommt, etwas zu zeigen. Solange Funktionieren notwendig ist, hält der Körper still – so gut er kann. Erst wenn der äußere Druck nachlässt, zeigt sich, was innerlich lange gehalten wurde.

Viele Frauen erschrecken dann vor der eigenen Reaktion. Sie fragen sich, warum sie sich gerade jetzt schlechter fühlen, wo doch eigentlich alles geschafft ist. Doch genau hier zeigt sich, wie viel dein Nervensystem über lange Zeit getragen hat. Symptome sind in diesem Zusammenhang kein Rückschritt, sondern ein Zeichen von Entlastung – auch wenn sie sich zunächst nicht so anfühlen.

Der Körper nutzt den Moment der Sicherheit, um etwas nachzuholen. Um Spannungen abzugeben. Um wahrnehmbar zu machen, was zuvor keinen Platz hatte. Das kann herausfordernd sein, aber es ist auch ein Hinweis darauf, dass dein System beginnt, sich zu regulieren – auf seine eigene Weise, in seinem eigenen Tempo.

Warum Ruhe sich manchmal erst einmal unangenehm anfühlt

In den Momenten, in denen Ruhe endlich da wäre, reagiert dann der Körper. 
Manchmal leise, manchmal nockt er einen dann komplett aus und verhindert so, dass man die Dinge machen und genießen kann, auf die man sich so lange gefreut hat – die Party, das Familienwochenende, der Urlaub. 
Das ist hart und trifft dann umso mehr. 

Statt Durchatmen zu können, ist man verunsichert.

Schnell entsteht der Gedanke, dass Ruhe offenbar nicht guttut.

Dazu kommen dann innere Vorwürfe und Schuldgefühle.
„Ich kann doch jetzt nicht einfach …“
Doch
häufig ist genau das 

Wenn ein Nervensystem lange im Alarm war, fühlt sich Entspannung zunächst fremd an. Unsicher. Ungewohnt. Nicht, weil sie gefährlich ist, sondern weil sie lange nicht mehr erlebt wurde.

Auch das ist kein Zeichen von Schwäche.
Es ist ein Zeichen von Anpassung.

Dein Körper ist nicht dein Gegner – sondern dein Kompass

Ein leiser, aber entscheidender Perspektivwechsel:
Dein Körper ist nicht gegen dich. Er arbeitet für dich.

Er zeigt dir nicht, dass du falsch bist, sondern dass etwas in dir gesehen werden möchte. Dass es an der Zeit ist, wieder in Beziehung zu gehen – mit dir selbst.

Der Weg aus dem Funktionsmodus beginnt nicht mit Disziplin oder Willenskraft. All das hält das Nervensystem im gleichen Aktivierungszustand.
Veränderung entsteht dort, wo Sicherheit entsteht.

Und Sicherheit entsteht nicht im Denken.
Sondern im Spüren.

Beziehung statt Kontrolle

Viele Frauen haben gelernt, ihren Körper zu kontrollieren. Zu übergehen, zu ignorieren oder zu „überreden“.

  • Schmerzen werden ausgehalten,
  • Müdigkeit wird weggeschoben,
  • innere Signale werden rationalisiert.

Nicht aus Härte, sondern aus Gewohnheit. Und oft auch aus Angst, was passieren könnte, wenn man wirklich hinhört.

Der Perspektivwechsel, den es hier braucht, ist kein technischer. Es geht nicht darum, den Körper „richtig zu lesen“ oder Signale korrekt zu deuten. Es geht um Beziehung. Um die innere Haltung, mit der du dir selbst begegnest.

Ein Körper, der ernst genommen wird, muss nicht schreien. Ein Nervensystem, das Sicherheit erlebt, darf sich langsam entspannen. Das geschieht nicht über Kontrolle, sondern über Zuwendung. Über kleine, ehrliche Momente, in denen du dir erlaubst, wahrzunehmen, was gerade da ist – ohne es sofort verändern zu wollen.

Diese Form von Beziehung fühlt sich für viele Frauen ungewohnt an. Sie widerspricht dem inneren Antreiber, der gelernt hat, dass Leistung Sicherheit bringt. Doch genau hier beginnt ein neues inneres Erleben: Nicht ich muss mich zusammenreißen, sondern ich darf mich halten.

Kleine Schritte zurück in die Verbindung

Es braucht keine großen Entscheidungen, um wieder in Kontakt zu kommen. Oft sind es kleine Momente, die den Unterschied machen: ein bewusst wahrgenommener Atemzug, ein inneres Nein, das nicht sofort erklärt wird, ein Innehalten ohne Rechtfertigung.

Viele Frauen haben verlernt, sich zu spüren, weil es früher sinnvoll war, es nicht zu tun. Diese Fähigkeit darf langsam zurückkehren. In deinem Tempo. Ohne Druck.

Warum es kein „Zurück“ gibt – sondern ein Neu-Begegnen

Oft haben wir Frauen haben Angst, dass wir „zurückfallen“ oder unser „Ich“ auseinanderbricht, wenn wir langsamer werden.
Dass wir an Kraft verlieren oder an Stabilität.

Doch der Weg aus dem Funktionsmodus ist kein Zurück in etwas Altes.
Es ist ein Neu-Begegnen mit dir selbst – unter anderen inneren Voraussetzungen.

Du wirst nicht weniger verantwortungsvoll.
Du wirst ehrlicher.
Du wirst nicht schwächer.
Du wirst spürbarer.
Und du wirst nicht plötzlich alles infrage stellen, sondern klarer erkennen, was dir wirklich entspricht.

Diese Veränderung geschieht nicht von heute auf morgen. Sie ist ein Prozess des Wieder-Lernens.
Ein behutsames Erlauben.
Und manchmal auch ein inneres Trauern darüber, wie lange du dich selbst übergehen musstest, um zu funktionieren.
Auch das darf dazugehören.

Je mehr Sicherheit dein Nervensystem erlebt, desto weniger braucht es den Funktionsmodus.
Nicht, weil du etwas „richtig gemacht“ hast, sondern weil dein System spürt, dass es nicht mehr alleine ist.

Ein stiller Reflexionsraum

Vielleicht magst du dir an dieser Stelle eine Frage mitnehmen. Nicht, um sie zu beantworten, sondern um sie wirken zu lassen:

Was würde sich in meinem Leben verändern, wenn ich nicht mehr gegen meinen Körper arbeiten müsste?

Und vielleicht – ganz sanft – auch diese:

Was glaube ich zu verlieren, wenn ich aufhöre zu funktionieren?

Du musst nichts festhalten und nichts entscheiden. Es reicht, wahrzunehmen, was diese Fragen in dir bewegen.

Selbstfürsorge ist kein Egoismus

Ein reguliertes Nervensystem ist nicht weniger leistungsfähig, sondern klarer, präsenter und weniger reaktiv.

Sich selbst ernst zu nehmen bedeutet nicht, andere im Stich zu lassen.

Es bedeutet, in Beziehung zu gehen – mit dir selbst und damit auch mit der Welt um dich herum.

Eine leise Einladung zum Schluss

Wenn du dich in diesem Text wiedererkennst, dann nicht, weil du schwach bist. Sondern weil dein System lange stark sein musste.

Du bist nicht kaputt.
Du bist nicht falsch.
Und du musst dich nicht neu erfinden.

Vielleicht darfst du einfach beginnen, dich selbst nicht länger zu übergehen.
Ganz leise.
Ganz in deinem Tempo.

Du möchtest mehr über mich und meine Arbeit wissen?
Dann stöbere doch gerne auf meiner Seite.

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